Mitteldeutscher Radio- und Funkflohmarkt Garitz

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Chronik

Die heutigen Mitteldeutschen Radioflohmärkte in Garitz haben zwei verschiedene Ursprünge.

Mitte der 1970er Jahre öffneten auch in der DDR die ersten Flohmärkte. Meist waren es pfiffige Gaststättenbetreiber, die auf den großen Dorfsälen die ersten Indoor-Flohmärkte abhielten. Hierunter waren auch die ersten Amateurfunk- und Elektronik-Bauelemente-Flohmärkte im LPG-Klubhaus Garitz. Der große Saal lag abgelegen, um keine große Aufmerksamkeit zu erregen, hatte einen großen Parkplatz und eine eigene Gastronomie. Alles wichtige Voraussetzungen für einen Markt. Später kamen dann noch Übernachtungs-kapazitäten im eigenen Haus dazu.

Diese ersten Flohmärkte waren berühmt und berüchtigt. Gab es doch hier neben „illegal“ importierten Transistoren und Schaltkreisen auch viele DDR-Bauelemente. Diese zeichneten sich dadurch aus, das sie sehr oft aufgegurtet von Bestückungsautomaten stammten. Getreu dem Motto von Erich Honecker „Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr herauszuholen“ gab es hier viele schöne Bauelemente, die auch von den RFT-Amateurfunkläden nicht angeboten wurden. Also eine Goldgrube einmal für den Elektronikbastler, aber auch für die Verkäufer, die sich mit gestohlener Ware eine goldene Nase verdienten. Nach der Wende wurde es erst mal etwas ruhiger um diese Flohmärkte, man konnte ja jetzt alles kaufen, aber ganz verschwanden sie nicht und lebten weiter. Der Schwerpunkt lag dann aber mehr bei den Amateurfunkgeräten und auch sowjetischer Militärtechnik.

Die Garitzer Flohmärkte waren am Schluss in den Händen des leider im Jahr 2014 verstorbenen Funkamateurs Hubert Schulze. Die zweite Säule wurde 1999 vom Radiosammler Bernhard Hein aus Dessau ins Leben gerufen. Dieser hatte mit dem Sammeln von DDR-Radios begonnen und suchte den Austausch mit Gleichgesinnten. Also wurde für den September 1999 eine Reihe anderer Sammler angeschrieben und für den ersten Mitteldeutschen Radioflohmarkt eingeladen. Erstes Treffen war im Landgasthof Lingenau an der Autobahnabfahrt Dessau-Süd. Der Zuspruch war sehr groß und der Saal war sofort überfüllt. Da es ein sonniger Tag war, konnten dann viele Anbieter auf dem Hof im Freien tätig werden. Man war sich nach dem ersten Markt einig, dass dieser weitergeführt werden muss, aber in einem großen Saal.

Nun begann die große Suche. Die Säle in der Stadt waren nicht bezahlbar oder hatten unannehmbare Konditionen. Da fielen Herrn Hein die ehemaligen Flohmärkte in Garitz ein, die er zu DDR-Zeiten auch oft besucht hatte. Man wurde mit der damaligen Chefin Frau Rudolph einig und in den folgenden Jahren fanden dann zweimal im Jahr am Samstag die Radio-Flohmärkte statt und am Sonntag kamen die Amateurfunker. Immer häufiger gab es auch Aussteller, die auf beiden Märkten vertreten waren. Dies führte zu erfreulichen Übernachtungszahlen für den Gasthof in Garitz. Die Teilnehmerzahlen stiegen ständig an und oft war der Saal komplett ausgebucht. Bei schönem Wetter stand dann die große Terrasse zur Verfügung, was die Platznot etwas entspannte. Wichtige Geschäfte wurden aber auch direkt auf dem Parkplatz, von Kofferraum zu Kofferraum abgewickelt. Der Sammlerkreis, der sich in Garitz traf, reichte von Rostock über Schwerin, Hannover, über Thüringen und Sachsen bis Berlin. In den ersten Jahren kamen viele große Sammler und es wurden wunderschöne und seltene Geräte verkauft oder getauscht. Später tauchten diese Edelsammler nicht mehr auf, da keine großen Geschäfte mehr zu machen waren. Neben den reinen Sammlern kamen nun auch die ersten professionellen Händler hinzu, die mit alten Radiogeräten oder historischen Röhren ihren Lebensunterhalt verdienten. Das wurde von den eingefleischten Sammlern mit kleinem Geldbeutel nicht immer gerne gesehen.

Viele Sammler kommen seit dem ersten Markt 1999 und haben ihre Partner und Kinder mit dabei. Sie schätzen das freundschaftliche Treffen und den Plausch mit Gleichgesinnten, auch wenn man mal nicht viel losgeworden ist.

Ab etwa 2010 bemerkten beide Märkte, dass die Teilnehmerzahlen immer weiter zurückgingen. Hauptursache war wohl die Überalterung der Sammlerszene und der fehlende Nachwuchs in beiden Bereichen. Auch erwuchs mit der AREB in Dresden ein professioneller Konkurrent. Daher einigten sich Hubert Schulze und Bernhard Hein, die Märkte ab 2013 zusammenzulegen, die beiden Bereiche liegen ja nicht weit auseinander. So kann auch heute der große Saal wieder gefüllt werden und es wird wohl auch noch einige Jahre, jetzt unter der neuen Leitung von Torsten Berger, Flohmärkte in Garitz geben.

Bernhard Hein, Oktober 2016


Auf den Unterseiten sind Informationen und Bilder zu stattgefundenen Flohmarkttreffen einsehbar.

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